#Market Strategy — 18.06.2020

Deglobalisierung: Nutzniesser einer Umkehr im Welthandel

THEMA 3

Theme d'investissement 4 | BNP PARIBAS WEALTH MANAGEMENT

Die Covid-19-Krise wird den Deglobalisierungstrend beschleunigen. Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass die Unterbrechungen in den Lieferketten aufgrund des Lockdowns Regierungen und Unternehmen weltweit dazu veranlasst haben, ihre Produktionsmodelle zu überdenken.

UNSERE IDEEN

• Neuordnung von globalen Lieferketten

Neue Produktionszentren in Taiwan & Südkorea für die Produktion von Vorprodukten / Komponenten im Bereich Technologie und in Südasien für Konsumgüter der unteren Preisklassen.

• Nutznießer in den USA und Europa

Branchen mit hoher Wertschöpfung, einem breiten Spektrum an Dienstleistern und Aus-/Bildung.

• Politische/geopolitische Unsicherheiten

Absicherung mit sicheren Vermögenswerten (wie Gold, japanischer Yen und taktischen langfristigen Anlagechancen in US-Dollar).

Die Pandemie beschleunigt die Neuordnung der globalen Lieferketten

Die Covid-19-Pandemie hat die massiven Risiken plötzlicher Stillstände von Volkswirtschaften und der Unterbrechungen der Lieferketten offenbahrt. Es unterstreicht zudem, wie abhängig die globalen Unternehmen von der chinesischen Fertigung sind.

Infolgedessen haben einige Regierungen begonnen, Anreize für die „Neugestaltung“ der Produktions-prozesse zu schaffen:

•Japan kündigte an, 2,2 Milliarden US-Dollar seines rekordverdächtigen Konjunkturpakets von 993 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, um seinen Herstellern zu helfen, ihre Produktion von China entweder nach Hause oder nach Südostasien zu verlagern.

•Die Trump-Regierung erwägt, die Kosten amerikanischer Hersteller zur Produktions-verlagerung zu tragen, die China verlassen.

•Ein EU-Handelskommissar äußerte sich kürzlich dahingehend, dass die EU versuchen werde, ihre Handelsabhängigkeiten zu verringern und ihre strategische Autonomie sicherzustellen.  

Neue Produktionszentren

Nach der Krise könnte es vermehrt sozialen Druck geben, einige strategische Bereiche wieder zu festigen und die Unabhängigkeit (wie z.B. der medizinischen Versorgung oder weiteren Bedarf im Gesundheitswesen) sicherzustellen. Auch produzierende Unternehmen dürften mehr Wert auf Diversifizierung der Produktionsgrundlagen sowie Digitalisierung der Industrie sowie Automatisierung legen. Wir gehen davon aus, dass die Neuordnung von Lieferketten den südasiatischen Ländern zur Produktion von Konsumgütern in unteren Preisklassen sowie Taiwan und Südkorea für hochwertige Komponente/Produkte aus dem Bereich Technologie zugutekommen wird.

In den USA und Europa beschleunigt sich der Trend zur Rückführung von Produktionskapazitäten. Sein Ursprung resultiert aus einer Kombination aus technologischer Innovation (die kürzere Lieferketten ermöglicht) und steigenden Löhnen in den Schwellenländern. Die großen Gewinner hierbei sind Branchen mit hoher Wertschöpfung. Ebenso verstärkt sich der Wunsch, Abhängigkeiten zu reduzieren und Ungleichheiten zu bekämpfen. 

Investitionen in Bildung sollten verstärkt werden, und die Deglobalisierung wird auch durch den steigenden Anteil der Dienstleistungen am weltweiten BIP unterstützt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hauptbegünstigten der Deglobalisierung in den entwickelten Volkswirtschaften Branchen mit höherer Wertschöpfung, eine Vielzahl von Dienstleistern und Bildung sind.

Wir beurteilen südkoreanische Aktien weiterhin positiv und stuften taiwanesische Aktien Anfang Mai von neutral auf positiv hoch. Die Bewertungen beider Märkte wurden nach den Korrekturen attraktiver. Der technologielastige taiwanesische Markt wird ein Begünstigter seiner „Homecoming“-Politik sowie der Nachfrage globaler Hersteller nach Technologie-Upgrades angesichts des Megatrends disuptiver Technologien wie 5G, IoT und AI sein. Bereits jetzt mehren sich die Zeichen für einen inländischen wirtschaftlichen Aufschwung.

Nachdem die indische Regierung im September letzten Jahres eine deutlich niedrigere Steuer für neue produzierende Unternehmen angekündigt hatte, die bereit sind, ihre Produktion nach Indien zu verlagern, soll sie im April mehr als 1.000 US-Unternehmen (vorrangig Lieferanten medizinischer Geräte, Betriebe der Lebensmittelverarbeitung, Textilunternehmen, Leder- und Autoteilehersteller) erreicht haben, was wiederum Herstellern, die China verlassen wollen, Anreize bietet. Obwohl das Land derzeit unter den Sperrmaßnahmen leidet, ist die proaktive Politik zur Ankurbelung seiner verarbeitenden Industrie ein Faktor, um die Wirtschaft mittelfristig zu stützen. 

Umgang mit politischen/geopolitischen Unsicherheiten

Der sich beschleunigende Trend der Deglobalisierung könnte zu anhaltender politischer/geopolitischer Unsicherheit führen. Die weltweiten Gegenreaktionen gegen China haben sich im Zusammenhang mit dem Umgang mit Covid-19 während des Ausbruchs in den ersten Tagen verstärkt. Die Trump-Regierung hat China öffentlich in unterschiedlichem Maße Verantwortung für die Pandemie übertragen und neue Zölle angedroht. 

HAUPTRISIKEN

Der Trend der Globalisierung steigt wieder, da:

• ein umfassendes Handelsabkommen zwischen den USA und China vereinbart wurde;

• die globalen Handelsspannungen deutlich nachlassen;

• disruptive Innovationen bei digitalen Technologien die grenzüberschreitenden Handelsströme erheblich erhöhen.

Eine Verlängerung des Lockdowns sowie eine zweite Ausbruchswelle des Virus führen 2020 zu einer tieferen und länger anhaltenden weltweiten Rezession.

Anleger sind nach wie vor „risikoscheu“, was typischwerweise der Aktienperformance schadet, während sich sichere Vermögenswerte gut entwickeln dürften.