#Investitionen — 09.01.2020

There Is No Alternative (TINA) Die Verlagerung von Anleihen zu Aktien

THEMA 1

von Anleihen zu Aktien

Die Anleiherenditen dürften noch lange sehr niedrig bleiben. Die Jagd nach Renditen wird bei Anlegern weiterhin die Nachfrage nach Aktien mit hoher, sicherer und wachsender Dividende wecken, die auch als „Dividenden-Aristokraten“ bekannt sind. Langfristig bietet dieses Universum ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis als der Aktienmarkt insgesamt. Anleger müssen aber den Preis für eine höhere Volatilität im Vergleich zu Anleihen zahlen und bereit sein, langfristig zu investieren.  

UNSERE IDEEN

Bei diesem Thema geht es vor allem um Anlagen in Industrieländern. In diesen Regionen ist das Problem von eingeengten oder niedrigen Anleiherenditen weit verbreitet.

Euro-Emissionen sind besonders akut mit negativen Renditen auf den Löwenanteil der Staatsanleihen und auf rund 40% der Unternehmensanleihen. Dagegen ist die Dividendenrendite der Unternehmen mit über 3% sehr attraktiv.

Bei Anleihen auf Dollarbasis (wenn wir 2009 herausrechnen) war die Renditedifferenz noch nie so günstig.  

Dieses Thema kann eine Möglichkeit für Anleger sein, die auf der Suche nach stetigen Erträgen sind, solange sie langfristig investieren und eine höhere Volatilität als am Anleihemarkt in Kauf nehmen.

 

Stetiger Ertrag: Ein immer knapper werdendes Gut

Noch nie waren die Zinssätze und Anleiherenditen so niedrig wie heute. In der Tat bieten ein Drittel der Staatsanleihen aus Industrieländern eine negative Rendite, und die Hälfte bietet eine Rendite von weniger als 1% p.a.. Angesichts des schleppenden Wachstums und der niedrigen Inflation dürfte dieser Mangel an stetigen Erträgen anhalten. Dies ist für die überwiegende Mehrheit der Anleger (privat und institutionell) ein entscheidendes Thema, da die Generierung regelmäßiger Erträge ganz oben auf ihren Anlagezielen steht. Dieses Problem kann sich mit der alternden Bevölkerung nur noch verschlimmern, verschärft durch längere Pensionierungen und damit einen längeren Zeitraum zur Rentenzahlung. 

 

„Dividenden-Aristokraten“: Eine vielversprechende Alternative

Die regelmäßige Renditedifferenz zwischen Anleihen und Aktien hat sich vor allem in Euro selten so sehr für Letztere ausgesprochen. Anleger, die regelmäßige Erträge suchen, können Aktien also ernsthaft in Betracht ziehen, vor allem solche mit hohen Dividenden. Die Investitionsentscheidungen müssen jedoch zielgerichtet sein. Eine Studie von Fama & French (die den Zeitraum von 1928 bis 2013 abdeckt) zeigt, dass die Auswahl des Quintils mit Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen nicht die beste Strategie ist, weil der Anleger einer „Wertfalle“ ausgesetzt sein könnte, oder an Unternehmen, die ihre Dividenden senken könnten.

Eine mögliche Strategie kann sein, Unternehmen mit hohen, sicheren und wachsenden Dividenden auszuwählen. Diese werden als „Dividenden-Aristokraten“ bezeichnet. Um Teil dieser Gruppe zu sein, müssen die Dividenden in den vergangenen 25 Jahren jedes Jahr gestiegen sein! In Bezug auf die Charakteristika enthält dieses Universum viel mehr Investment-Grade-Unternehmen als der zugrunde liegende Index und ist ausgewogener zwischen Value- und Growth-Aktien. Ein weiteres positives Merkmal ist, dass sich die „Aristokraten“ langfristig besser entwickeln können als der Aktienmarkt insgesamt, während sie den Anleger einer geringeren Volatilität aussetzen. Mit anderen Worten: Die „Aristokraten“ bieten ein besseres Sharpe-Ratio-Verhältnis.

Der Preis, der für Anlagen in diesem Universum gezahlt wird, ist die Akzeptanz einer deutlich höheren Volatilität als an den Anleihemärkten und eines langfristigen Anlagehorizonts. So kann es sich ein Anleger mit einem Anlagehorizont von 10 Jahren leisten, mehr als 20% auf seine „Dividenden-Aristokraten“ zu verlieren und trotzdem insgesamt eine Performance zu genießen, die Rentenanlagen weiterhin übertrifft. Der Performance-Vorteil würde deutlich zunehmen, wenn wir bedenken, dass die Dividenden tendenziell steigen, während die Anleiherenditen fest sind. Es bedeutet auch, dass „Dividenden-Aristokraten“ einen besseren Schutz vor Inflation bieten würden, wenn Letztere steigen würde.

 

Es gibt gute Gründe, warum die Bewertungen relativ hoch sind (und bleiben werden)

Die Jagd nach stetigen Erträgen in den vergangenen Jahren hat die Aktienbewertungen deutlich nach oben getrieben. Da der Druck auf die Anleiherenditen noch lange anhalten wird, wird die Nachfrage nach „Dividenden-Aristokraten“ stark bleiben und die Bewertungen über ihren langfristigen Durchschnittswerten bleiben.

Ein weiterer stützender Faktor für die „Dividenden-Aristokraten“ ist das moderate Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten. Grund dafür sind bereits hohe Gewinnmargen und Bewertungen, die weitgehend positive Erwartungen widerspiegeln. Dividenden werden damit in den nächsten Jahren eine große Rolle bei der Gesamtrendite von Aktienanlagen spielen.

 

HAUPTRISIKEN

Das Hauptrisiko bezieht sich auf das Wirtschaftsklima. Sollte es zu einer Rezession kommen, bestünde die Gefahr eines Kapitalverlusts. Nur das Ende dieser Rezession würde den Verlust verringern. Daher ist es wichtig, einen langfristigen Anlagehorizont zu haben, um Störungen des Konjunkturzyklus abzumildern.  Strukturelle Vorteile könnten sich so ergeben.

Ein damit verbundenes Risiko ist, wenn protektionistische Trends und Handelsspannungen weiter eskalieren. 

Ein weiteres Risiko stellt eine Underperformance der „Dividenden-Aristokraten“ gegenüber dem Gesamtmarkt dar. Diese ist üblicherweise bei einem deutlichen Anstieg an den Aktienmärkten der Fall. Zu den primären Motivationspunkten einer Investition in „Dividenden-Aristokraten“ gehört die Suche nach laufenden Erträgen.

S&P Global Dividend Aristocrats