#Marktstrategie — 22.12.2020

Impfstoffe, Erholung und Reflation

THEMA 1

Investment Theme 2 | BNP PARIBAS WEALTH MANAGEMENT

2021 dürfte gegenüber 2020 das Jahr der Erholung versus Rezession, der Impfung versus Virus, der Wiedereröffnung versus Lockdown, der Reflation (moderat) versus Deflation und der Dollar-Schwäche versus -Stärke sein. Die Geldpolitik wird weiterhin gelockert und die Finanzpolitik akkommodierend bleiben. Investitionen in frühen Phasen eines Zyklus bedeuten einen Ausgleich der Portfolioallokationen: Nicht-US-Aktien versus US-Aktien, Small-/Mid-Cap-Aktien versus hauptsächlich Large Caps-Aktien, zyklische versus Growth-Aktien, Nicht-Dollar-Währungen versus US-Dollar (für USD-Anleger). Basismetalle, Edelmetalle, inflationsgebundene Anleihen, Infrastruktur und Immobilien profitieren von diesem neuen Konjunkturzyklus.

UNSERE EMPFEHLUNGEN

Anlageklassenübergreifend: Aktien, Anleihen, Devisen.

  • Fokus auf „frühzyklische“ Sektoren wie Bau, Bergbau, Investitionsgüter, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie ausgewählte zyklische Konsumgüter.
  • Fokus auf Aktienexposure von Mid- und Small-Cap-Unternehmen in Europa und den USA.
  • Globale Infrastruktur/erneuerbare Energien.
  • Erträge: Inflationsgebundene Anleihen und Erträge aus Immobilien.
  • Währungen: Rohstoffwährungen gegenüber Niedrigzinswährungen, Währungen der G7-Staaten für USD-[ansässige] Anleger.
  • Edelmetalle: Gold und Silber für alle Anleger.
  • Industriemetalle und Rohstoffen für Elektrofahrzeuge

 

Fortschritte bei Impfstoffen

Mit 11 Medikamenten in groß angelegten Phase-3-Studien, 18 in Phase 2 und 39 in Phase 1 zum Zeitpunkt des Schreibens wird es Ende 2020/Anfang 2021 einen reichlichen Newsflow geben. Die ersten Ergebnisse zu Covid-19-Impfstoffen waren sehr positiv. Oft wurde eine höhere Wirksamkeit erreicht als erwartet und über den durch-schnittlichen 50 Prozent für einen Grippeimpfstoff, den die FDA für Notfallzulassungen als Wirksamkeitsziel gesetzt hat. Impfungen sind der Schlüssel zu einer mittelfristigen Wiedereröffnung der Wirtschaft. Unser Basisszenario begründet sich auf einem anhaltenden Fortschritt bei der Entwicklung von Impfstoffen. Die Verteilung dieser, logistische Herausforderungen und Verbraucherverhalten werden ebenso das Erfolgstempo bestimmen. 

 

Eine geringere aber längere Geldpolitik und zielgerichtete Finanzpolitik

Die großen Notenbanken der Welt reagierten deutlich schneller als während der großen Finanzkrise, da sie die umfassendsten und rechtzeitigen Impulse in der Finanzgeschichte auslösten. Ein wichtiges Ereignis war der 23. März (und es war kein Zufall, dass an diesem Tag der zweitschnellste Bärenmarkt in der Geschichte endete), als die US-Notenbank erstmals den Kauf von Unternehmens-anleihen ankündigte. Zudem legte die FED in Jackson Hole die Geldpolitik dar, die die Inflation (und damit die Wirtschaft) länger stützen dürfte. Die FED wird auch weiterhin große Defizite mit niedrigen Zinsen finanzieren, die durch die quantitative Lockerung unterstützt werden. Das Vermögen der globalen Notenbanken soll 2022 auf 27 Billionen US-Dollar anwachsen.

Schließlich wird die Finanzpolitik angesichts der hohen Arbeitslosenquoten weiterhin entscheidend sein, jedoch an Bedeutung verlieren, wenn sich der Fortschritt bei den Impfstoffen beschleunigt und die Wiedereröffnung der Wirtschaft einsetzt. Strukturell wird in zunehmendem Maße weltweit Wert auf die Infrastruktur gelegt, mit einem „grünen“ Fokus bei den Staatsausgaben. Die drei größten Wirtschaftsblöcke - konkret die EU, die USA (mit der Wahl Joe Bidens) und China - sind sich in dieser Hinsicht einig.  

 

2021 versus 2020: Neuausrichtung des Portfolios von Rezession auf Erholung

2021 dürfte das Jahr der Erholung versus Rezession, Impfung versus Virus, Wiedereröffnung versus Lockdown und Reflation (moderat) versus Deflation und US-Dollar-Schwäche versus -Stärke werden. Wir prognostizieren eine zyklische Erholung der Wirtschaft, da sich das globale Wachstum von -4% auf +5,2% ausweitet. Darüber hinaus prognostizieren wir einen moderaten Anstieg der Inflation, da die deflationären Bedingungen nach der Pandemie abnehmen. Zu Beginn der Konjunkturerholung gibt es wahrscheinlich eine Kombination aus allmählich steigenden Anleiherenditen, einem schwächeren US-Dollar, höheren Aktienkursen und anziehenden zyklischen Sektoren. 

Höhere Renditen und der Covid-19-Impfstoff sind starke Katalysatoren, um eine Allokation nach der „Hantel-Strategie“ zwischen Growth-Aktien und zyklischen Werten zu rechtfertigen, insbesondere nach einer langen Phase der Outperformance durch Growth-Aktien. So hat der MSCI World Growth den MSCI World Value Index in den letzten drei Jahren um 75% und im letzten Jahr um fast 38% übertroffen. Im Zeitraum September bis November 2020 verzeichneten Value-Aktien jedoch eine Outperformance, allein im November eine von mehr als 6%. Aus Sicht der Portfolioallokation besteht der Schlüssel darin, beide Anlagestile zu haben, um die Allokation innerhalb des Portfolios für Anleger zu erweitern.

Erstens profitierten die Industriemetalle in den vergangenen zehn Jahren von fehlenden Investitionen in Öl und Gas sowie in den Bergbausektor. Zweitens dürfte eine allmähliche wirtschaftliche Erholung 2021 zu einer zyklischen Erholung der Nachfrage führen. Drittens bevorzugen wir bestimmte „grüne“ Industriemetalle wie Kupfer, Nickel, Zink und Lithium, die aufgrund des Klimawandels und der Elektrifizierung ein strukturelles Nachfragewachstum aufweisen.

Im Hinblick auf die Auswirkungen auf den Markt ist es wichtig, dass Anleger die Portfolioallokationen anpassen, um das neue wirtschaftliche Umfeld widerzuspiegeln. Dies bedeutet einen Portfolioausgleich zwischen: Nicht-US-Aktien versus US-Aktien, Small/Mid-Cap-Aktien versus hauptsächlich Large-Caps-Aktien, zyklische versus Growth-Aktien, Nicht-US-Dollar-Währungen versus US-Dollar (für USD-[ansässige]Anleger). Zudem profitieren Basismetalle, Edelmetalle, inflationsgebundene Anleihen und Immobilien von diesem neuen Konjunkturzyklus. 

HAUPTRISIKEN

  • Ein früher als erwarteter Rückzug aus der gelockerten Geldpolitik, bevor sich eine wirtschaftliche Erholung einstellt.
  • Spätzyklische, große, unerwartete Zahlungsausfälle an den Kreditmärkten, die eine erneute Rezession auslösen.
  • Impfstoffausfälle, Zurückhaltung/Vorsicht bei Impfungen oder das Wiederaufflammen der Covid-19-Pandemie schaden dem Konsum.
  • Eine unzureichende gezielte Finanzpolitik (als wirtschaftliche Brücke) vor einer breiteren Verteilung der Impfstoffe.
  • Ein unerwarteter Inflationsanstieg ohne Erholung des Wirtschaftswachstums, was sich negativ auf Anleihen und Aktien auswirken würde.
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