#Marktstrategie — 22.12.2020

Renditetrüffel aufspüren

THEMA 3

Investment Theme 2 | BNP PARIBAS WEALTH MANAGEMENT

Seit 40 Jahren sinken die Anleiherenditen stetig. Angesichts niedriger (oder negativer) Zinsen in den Industrieländern müssen renditehungrige Anleger von traditionellen Staatsanleihen abrücken. Im Folgenden erkunden wir einige Wege dies zu tun.

UNSERE EMPFEHLUNGEN

Dieses Thema richtet sich an defensive Anleger, die auf der Suche nach Rendite sind. Um die gewünschte positive und über der Inflation liegende Rendite zu erzielen, bedarf es einer gewissen Risikobereitschaft. Das eingegangene Risiko ist aber geringer als an den Aktienmärkten.

Wir empfehlen eine Mindestanlagedauer von 12 Monaten in festverzinslichen Lösungen, Infrastruktur-fonds und Immobilien.

 

Unaufhaltsam sinkende Renditen

Seit 40 Jahren sinken die Anleiherenditen. 2020 fielen die Renditen in den meisten Industrieländern auf ein Allzeittief. Tatsächlich ist in der Eurozone die durchschnittliche Rendite 10-jähriger Staatsanleihen laut Bloomberg Barclays-Anleihenindex mit -0,24% per 8. Dezember negativ. Im Vergleich dazu sind es in den USA 0,94%. Die Inflation ist derweil historisch niedrig, aber immer noch höher als die zuvor genannten Anleiherenditen. Folglich kann eine Anlage in Staatsanleihen zwar eine negative Rendite abwerfen, aber potenziell zu einem noch größeren realen Verlust führen. Das dürfte anhalten, da die Notenbanken in den kommenden Quartalen oder Jahren nicht beabsichtigen, die Geldpolitik zu straffen. Dies impliziert, dass die Anleiherenditen auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden. Daher sollten Anleger bei der Suche nach Rendite von (risikolosen) Staatsanleihen abrücken.

Was Unternehmensanleihen betrifft, so sind vorrangige Kredite am sichersten, die bei Zahlungsausfällen eines Emittenten Vorrang bei Zins- und Kapitalzahlungen haben. Sie bieten in der Eurozone eine Rendite nahe Null von durchschnittlich 0,2% (per 8. Dezember 2020), was Anleger zwingt, sich nachrangigen Anleihen zuzuwenden. Obwohl sie ein wenig risikoreicher sind als ihre vorrangigen Pendants, ist das Risiko letztlich begrenzt, wenn sich ein Anleger für einen Emittenten mit Investment-Grade-Rating entscheidet (d. h. mit einer soliden Bonität). Dort liegt die durchschnittliche Rendite bei rund 1,8% (zum selben Datum).

Seit März 2020 wurden rund 40 europäische und etwa 20 amerikanische Emittenten von der Ratingagentur Standard and Poor 's von Investment Grade auf High Yield herabgestuft. Diese als "gefallene Engel" bezeichneten Anleihen erleben in der Regel eine starke Ausweitung ihres Kreditspreads, bevor sie in die High-Yield-Kategorie zurückfallen. Das tritt nur ein oder zwei Monate nach der Normalisierung ihres Kreditspreads auf. So können sie attraktive Chancen bieten. Die durchschnittliche Rendite gefallener Engelanleihen liegt im Euroraum bei 2,7% und im gesamten Pool bei 4,6% (Stand: 8. Dezember 2020). 

Schwellenländeranleihen in harter Währung und lokaler Währung bieten attraktive Renditen von rund 4,5% bzw. 4,3%. Das Risiko dieser Unteranlageklasse ist, gemessen an der jährlichen Volatilität der Wertentwicklung in den letzten zehn Jahren, höher als in anderen Rentenmarktsegmenten. Mit einer Volatilität von 8,4% bei Anleihen in harter Währung (US-Dollar) und 9,0% bei Anleihen in lokaler Währung, ausgedrückt in Euro, ist das Risiko jedoch immer noch geringer als an den Aktienmärkten (18,4% beim STOXX Europe 600 Index und 16,2% beim S&P 500). Die Vermögenswerte der Schwellenländer dürften 2021 einen Schwerpunkt bilden, da die erwartete Dollarschwäche die Finanzströme in ihre Richtung lenken dürfte.

Hinzu kommt, dass die Anlageklasse Infrastrukturfonds seit zehn Jahren wächst. Diese Fonds investieren in verschiedene Bereiche der Infrastruktur: Transport, Umwelt, Soziales, Energie, Gesundheitswesen usw. Sie bieten auch langfristig stabile und attraktive Renditen, wobei der MSCI World Core Infrastructure Index eine Dividende von 3,4% bei einer historischen Renditeschwankungen von 14,5%, also niedriger als bei den Aktienmärkten, liefert. Einige Infrastrukturfonds konzentrieren sich auf regelmäßige Ertragsausschüttungen, andere konzentrieren sich auf Kapitalwertsteigerungen. 

Schließlich sind Immobilien eine alternative Lösung für Anleger, die wiederkehrende Erträge suchen. Covid-19 hat strukturelle Schockwellen durch den Sektor geschickt (z. B. Telearbeit und E-Commerce), doch Preiskorrekturen spiegeln dies bereits weitgehend wider. Das hartnäckig niedrige Zinsumfeld bietet große Unterstützung für Immobilieninvestitionen. Dennoch ist es wichtig, die Investitionen innerhalb des Immobilienvermögens zu diversifizieren. 

HAUPTRISIKEN

Mit diesem Thema sind mehrere Risiken verbunden:

  • Zinsrisiko: Wenn die Zinsen steigen, sinken Anleihen im Wert. Nicht notierte Anlagen, zum Beispiel am Immobilienmarkt, werden durch einen Anstieg der Realzinsen belastet.
  • Liquiditätsrisiko: Nicht notierte Vermögenswerte sind naturgemäß langfristige Anlagen, die ziemlich illiquide sein können.
  • Ausfall-/Restrukturierungsrisiko: Dieses Risiko tritt ein, wenn ein Emittent seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Daher empfehlen wir, sich auf Emittenten mit hoher Qualität zu konzentrieren.
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