#Marktstrategie — 15.09.2021

Neufokussierung auf Sachwerte

Anlagethemen 2021 - Update September

Präsentiert von unserem Experten für Anlagestrategien

Neufokussierung auf Sachwerte

 

  • Anleger konzentrieren sich i.d.R. stark auf Aktien, Anleihen und Barmittel, ignorieren oder untergewichten jedoch Real Assets – wie Immobilien, Infrastruktur und Rohstoffe.
  • In einer Welt mit niedrigem Wachstum und niedrigen Renditen ist Cashflow der wichtig.
  • Langfristig dürfte sich das Inflationsumfeld von der in den letzten 20 Jahren beobachteten Disflation entfernen.
  • Konzentrieren Sie sich auf Vermögenswerte mit a) einem wesentlichen Produkt oder Dienstleistung, b) einer positiven Realrendite und c) konsistenten Cashflows.

 

Cashflow gewinnt an Dynamik in einer ertragsschwachen und wachstumsschwachen Welt

Die derzeitige rasante Konjunkturerholung ist nicht ewig durchhaltbar: Derzeit befindet sich die Weltwirtschaft aufgrund der beispiellosen Unterstützung durch die Zentralbanken und die Regierungen in einer „turbogeladenen“ Erholung von der Pandemie-Rezession. Dieser ungewöhnliche Auftrieb wird sich im Jahr 2022 durch die nachlassende Wirkung fiskalischer und monetärer Anreize verlangsamen.

Die Anleiherenditen signalisieren bereits Bedenken hinsichtlich des künftigen Wachstums: Der starke Rückgang der Renditen 10-jähriger US-Treasuries von ihrem Höchststand von 1,7% im vergangenen März zeigt die Besorgnis des Marktes über das künftige Wachstums - im Gegensatz zu Anhebungen der US-BIP-Wachstumsprognosen für 2022 auf teilweise über 4%.

Die Inflation dürfte sich beruhigen, wenn auch höher als in den letzten Jahren: Obwohl wir der Ansicht sind, dass der derzeitige Anstieg der US-Inflation nur vorübergehend ist, rechnet der Markt für 2022 weiterhin mit einer Kerninflation von 2,7%. Dies deutet auf Renditen von US- und Euro-Anleihen deutlich unter der Inflation (d. h. negative Realrenditen) hin.

Zielen Sie auf Immobilienwerte, die Renditen über der Inflation bieten: Wir favorisieren Immobilienwerte, die im Vergleich zu Anleihen und Barmitteln günstig sind und Anlegern somit auch nach Inflation positive Renditen bieten.

Immobilien und Infrastruktur bieten inflationsgesicherte Cashflows: Sowohl börsennotierte Immobilien (REITs) als auch Infrastruktur bieten derzeit Renditen im Bereich von 3% bis -3,5% und liegen damit bis zu 3% über den Renditen 20-jähriger Staatsanleihen der Eurozone. Damit sind sie im Vergleich zu Anleihen und Barmitteln attraktiv.

Niedrige Renditen langfristiger Anleihen sind gut für Immobilienwerte: Die weltweiten Realrenditen der Long-Bonds liegen in der Nähe der historischen Tiefststände und bieten unattraktive langfristige Renditen. Diese niedrigen Zinsen sind gut für die Immobilienwerte, da Anleger Schulden mit niedrigeren Zinssätzen refinanzieren und die Netto-Cashflows erhöhen.

Die Allokation institutioneller Vermögenswerte in Real Assets wird sich erhöhen:  Pensionsfonds, Versicherungen und Pensionäre müssen stabile Erträge erwirtschaften, ohne zu viel Risiko einzugehen. In einer Welt niedriger Cash- und Anleiherenditen wird sie dies dazu zwingen, die Allokation in reale Vermögenswerte und Alternativen zu erhöhen.

Rohstoffe bieten einen attraktiven "Roll Yield": Angesichts aktuell starker Rohstoffpreise, angeführt von Industriemetallen, Öl und sogar Holz, verzeichneten wir eine starke Performance in unserer Roll-Yield-Strategie auf Basis von Energie und Metallen und legten im bisherigen Jahresverlauf um über 16% zu. 

 

Real Assets schlagen Anleihen

  • Verbesserte Liquidität für viele Immobilienfonds: Einer der Hauptgründe von Anlegern auf Immobilienfonds zu verzichten, ist die eingeschränkte Liquidität mit längeren Sperrfristen. Dies hat sich in letzter Zeit verbessert, da eine wachsende Anzahl nicht notierter Strategien in Real Assets nun eine konsistente Liquidität und Transparenz bietet.
  • Hochwertige Infrastrukturanlagen sind wertvoll und knapp: Hohe Nachfrage nach stabilem Cashflow, inflationsgebundenem langfristigen Einkommenswachstum bei Infra-strukturanlagen kommt von Pensionskassen und Versicherungen.
  • Wohn- und Gewerbeimmobilien mit hoher Nachfrage: Es gibt Knappheit in Wachstumsbereichen wie Industrie, Rechenzentren, Lagern und Handytürmen.

Private und bösennotierte Immobilienfonds sind attraktiv

Nicht alle Sachwerte sind illiquide: Einer der Hauptgründe, der für das Fehlen eines Engagements in realen Vermögenswerten zitiert wird, ist, dass diese nicht notierten Vermögenswerte illiquide seien. Dies trifft jedoch nicht unbedingt zu, da viele nicht notierte Strategien in realen Vermögenswerten für eine konsistente Liquidität und Transparenz sorgen.

Viele reale Anlagestrategien sind weniger volatil: Zahlreiche Immobilien, wie private Infrastruktur und bestimmte andere Segmente, basieren auf Hard Assets (z.B. mautpflichtige Autobahnen und Brücken). Dabei handelt es sich um Vermögenswerte mit vorhersagbaren, konsistenten Cashflows. Dies führt zu einem geringeren Volatilitätsprofil als bei vielen börsennotierten Anlageklassen wie Aktien oder High Yield-Anleihen.

Infrastrukturanlagen (Verkehrsnetze, Strom- und Wasserversorger, Energiespeicher und
-transport, erneuerbare Energien, Mobilfunkmasten):
Attraktiv durch starke Sichtbarkeit auf Cashflows, Inflationssicherungseigenschaften und eine starke historische Performance. Diese Vermögenswerte sind von Pensionsfonds und Versicherungen sehr stark nachgefragt, um die Renditekomponente zu ersetzen, die früher von Anleihen erfüllt wurde, und sind daher knapp, was hohe Bewertungen stützt. In den letzten 20 Jahren erzielte der Global Listed Infrastructure Organisation Index eine jährliche durchschnittliche Gesamtrendite von 10%. . 

Private Immobilien: Das Engagement in Wohnimmobilien und Gewerbeimmobilien ist für langfristige Anleger angesichts der oben genannten Inflationsrenditen, der Inflationsabsicherung durch inflationsgebundene Mieten und der Finanzierung von sehr niedrigen Fremdkapitalkosten attraktiv. In vielen Bereichen ist auch ein strukturelles Wachstum bzw. in Sektoren wie Wohnen, Industrie/Logistik/Lagerhallen, Rechenzentren und Selbstlagerung auch eine struktu-relle Verknappung von Qualitätswerten zu berücksichtigen.

Die Büronachfrage erholt sich nach dem "Return to Office" schnell: In den USA verzeichneten börsennotierte Office-REITs seit November 2020 eine Rendite von fast 50% und seit 2003 im Jahresdurchschnitt von über 7%. Europäische REITs (Office REITs) haben seit November 2020 um 40% und seit 2006 im Jahresdurchschnitt um 5,4% zugelegt. BNP Paribas Real Estate prognostiziert durchschnittlich 5% p.a. aus europäischen Büroimmobilien von 2021 bis 2025.

Wohnimmobilien getrieben durch Knappheit: Seit 2010 erzielten europäische börsennotierte Wohnimmobilien-REITs eine durchschnittliche jährliche Rendite von über 17%. Verlangsamte Bautätigkeit in den USA nach der Finanzkrise von 2008 führte laut der National Association of Realtors seit 2001 zu einer „Baulücke" von 5,5 bis 6,8 Mio. Haushalten. In Europa hat die Pandemie zu einer gesteigerten Nachfrage nach Einfamilienhäusern mit Außenflächen geführt.